von Moench » 04.04.2026, 08:23
Stell dir vor:
Es ist der 4.6.26; 19:00 Uhr in Ottobeuren. Die Motoren sind abgekühlt, die Helme liegen rum wie schlafende Schildkröten, und alle haben dieses Gesicht, das sagt: „Ich habe Hunger, aber ich könnte auch schlafen.“
Zeit fürs Abendbrot.
Nicht irgendeins – das entspannte, unprätentiöse Biker Abendbrot.
Der Tisch ist kein Ort der Ehre, sondern der Kohlenhydrate.
Ein paar Jüngere, ein paar Ältere, ein paar Kilometer auf der Uhr, jemand auf der Durchreise, jemand mit Kettenfett an der Jacke und ein Kollege, der immer zu früh kommt – alle sind willkommen.
Reihum bringt jemand etwas mit:
Brot, Käse, Wein, Oliven, Schokolade, ein überraschend guter Senf, oder irgendwas, das aussieht wie Tankstellenessen, aber besser schmeckt.
Hauptregel: Nichts Einschüchterndes.
Also keine Tellerstapel, für die man drei Semester Porzellanwissenschaft braucht.
Man sitzt zusammen, redet über das Wetter („heute war der Wind ein Komplize“), über Motorräder („läuft“), über Menschen, die man auf der Straße gesehen hat, über Strecken, Bilder, Kurven, Befindlichkeiten – und über all das, was Google nicht weiß und Navi nicht findet.
Niemand muss reden. Niemand muss glänzen.
Man darf auch einfach nur kauen und freundlich aussehen.
Ein kleiner täglicher Boxenstopp für die Seele –
eine Übung im Zusammensitzen mit Leuten, die man mag,
und mit denen man manchmal trotzdem nichts anfangen kann.
Auch das gehört dazu.
Und so wird das Abendbrot ein Ort,
der wärmt, verbindet –
und keine einzige Schraube lockerlässt.
Zumindest fast.
Guten Abend – und fahr vorsichtig, bis du am Tisch sitzt.
Gruß Günter